Chronik des Gesangvereins 1891 Burguffeln
Im Juni 1891 wurde der "Männergesangverein Burguffeln" gegründet. Da zu jener Zeit kein anderer Verein im Dorf bestand, traten fast alle Männer dem Gesangverein bei. Die jugendlichen Sänger bis zu 18 Jahren wurden als beitragsfreie Gesangsschüler aufgenommen; die älteren Männer waren aktive Mitglieder. Neben der Freude am Gesang und an der Geselligkeit galt eine Verfügung des damaligen Landrats als weiterer Anlass für die Vereinsgründung. Diese Verfügung verbot alle Tanzbelustigungen und Feierlichkeiten nach 22.00 Uhr, sofern diese nicht von einem Verein getragen wurden. Die Anregung zum Zusammenschluss gab vermutlich der Gastwirt Hinterthür (später Gasthaus Pfläging). Der 1. Vorsitzende war Georg Reinhardt, Kassierer Karl Viereck, Fahnenträger und Vereinsdiener Johannes Berndt. Die musikalische Leitung übernahm Lehrer Schmidt.
Leider fehlen schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit. Nach mündlichen Überlieferungen alter Bürger wurde die alte Fahne im Gründungsjahr erworben. Sie trägt die Inschrift "Rein im Sang, treu im Wort, fest in Eintracht immerfort". Im Jahre 1897 übernahm Lehrer Zimmermann die Chorleitung. Der Verein gehörte damals keiner übergeordneten Sängervereinigung an, pflegte jedoch ein reges Freundschaftstreffen auf Sängerfesten mit den benachbarten Männerchören. Hier sind besonders die Chöre von Calden, Mariendorf und Ehrsten zu erwähnen, wie auch die der benachbarten Städte Grebenstein und Immenhausen. Im eigenen Ort wurden die Feste "auf der Baumschule" gefeiert. Dieser Platz lag vor dem heutigen Friedhof und war ringsum von hohen Linden umgeben, von denen einige noch heute das Dorf zieren. In der Mitte des Platzes stand eine uralte, naturgeschützte Linde, unter der die Sänger ihre Lieder erklingen ließen und die Musikanten zum fröhlichen Tanz aufspielten.
Durch den 1. Weltkrieg wurde die rege Vereinsarbeit leider unterbrochen und begann erst wieder nach dem Kriege unter dem Vorstand Wilhelm Helwig. 1923 kam Herr Hebeler als Lehrer nach Burguffeln und übernahm die Chorleitung. Er war sehr musikalisch und ging mit jugendlicher Frische an die Chorarbeit. Die Vereine Calden, Mönchehof, Heckershausen, Weimar, Ehrsten und Burguffeln schlossen sich zum "Wilhelmsthaler Sängerbund" zusammen. Oft war Wilhelmsthal der Treffpunkt der Sänger aus den genannten Orten. Ältere Sänger erinnern sich noch heute gern daran. In die Zeit des Chorleiters Hebeler fällt auch das 35jährige Vereinsjubiläum, das am 25. Mai 1926 im "Mühlengarten" (heute steht dort das Dorfgemeinschaftshaus und einige Häuser) gefeiert wurde. Leider starb schon ein Jahr später der beliebte und geschätzte Chorleiter Hebeler, ein frohschaffender, junger Mensch.
Unter den politischen Wirren der darauffolgenden Zeit litt das Vereinsleben und kam zur Zeit des 2. Weltkrieges und des Zusammenbruches ganz zum Erliegen. Erst im Jahre 1955 fanden sich Männer, die Lust und Liebe zum Gesang und zur Geselligkeit hatten, zusammen und ließen den Verein wieder neu erstehen. Paul Diehl war Mitbegründer und übernahm gleichzeitig die Chorleitung. Als Vorsitzenden wählten die Sänger Heinrich Schwarz, der bis zum heutigen Tage das Vertrauen aller Sänger genießt. Der Verein sah es nach kurzer Chorarbeit als selbstverständlich an, sich einer übergeordneten Sängervereinigung anzuschließen und trat im Jahre 1957 dem Warmetal-Sängerbund bei, in dem er sich bis heute wohlfühlt. Am 25. Juli 1959 erlebte Burguffeln dann das erste große Sängerfest, an dem der gesamte Warmetal-Sängerbund teilnahm. Im Januar 1960 war es dem Verein gelungen, Frau Edith Möller aus Calden als Fachkraft für die Chorleitung zu gewinnen. Wenn auch jetzt die Geselligkeit nicht vernachlässigt wurde, so trat doch die musikalische Arbeit mehr und mehr in den Vordergrund. Dank dieser Tatsache war es möglich, in jedem darauffolgenden Jahr ein Konzert mit Unterstützung von Solisten der Musikakademie Kassel zu veranstalten. Eine wesentliche Bereicherung des kulturellen Lebens in Burguffeln war die Gründung des Kinderchores und der Instrumentalgruppe. Wie sehr das Interesse an der Musik geweckt werden konnte, beweist die Tatsache, dass aus eigenen Mitteln Instrumente im Werte von nahezu 1000,- DM erworben werden konnten. So wirkten die Kindergruppen ab 1962 bei allen Veranstaltungen mit großer Freude und Begeisterung mit.

 

Am 19. Mai 1962 wurde feierlich durch ein Konzert im Saale des Vereinswirtes Gustav Homberg die neue Vereinsfahne eingeweiht, da die alte Fahne im Laufe der Jahre sehr gelitten hatte. Für dieses Konzert schrieb Dr. Richard Greß, der ehemalige Direktor der Musikakademie Kassel, eine Maienkantate für Männerchor, Kinderchor und Streichquartett. Durch ein gemeinsames Konzert mit dem Volkschor Weimar, bei dem Vertreter des Mitteldeutschen Sängerbundes zugegen waren, wurden die Burguffelner aufgefordert, zum 125jährigen Bestehen des MSB am 6. Juni 1964 im Hermann-Schafft-Haus in Kassel ein Sonderkonzert zu geben.
Anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums wurde das erste Bundessängerfest des Sängerbundes Warmetal am 21. und 22.05.1966 in Burguffeln ausgerichtet. Ein Auszug aus der Festschrift weist bereits ausdrücklich auf die Nachteile des technischen Fortschritts in der immer rastloser werdenden Zeit hin. Verhältnismäßig wenige Menschen seien noch bereit, das musikalische Erbe zu pflegen und zu erhalten. Deshalb stellte man das Fest bewusst unter das Motto: "Musik, Du Trost in unserer Zeit, Du Anruf aus der Ewigkeit!"
Im Jahr 1977 entschloss man sich, den Verein mit Frauenstimmen zu verstärken und bildete einen gemischten Chor. Tatkräftige Vereinsmitglieder sorgten 1978 mit großem Arbeitseinsatz dafür, dass die Gesangsstunden künftig in eigenen Vereinsräumen stattfinden konnten.
1981 bis 1997 leitete Herr Franz Hampel, der vorher bereits als Sänger in den eigenen Reihen gesessen hatte, den Chor. Bis zum heutigen Tage unterstützt er den Verein auf vielfältige Art und Weise. Nachdem es Herrn Hampel aus beruflichen Gründen nicht mehr möglich war, den Chor zu leiten, konnte Frau Ursula Rohrbach Herrn Michail Medwedew als Dirigenten gewinnen.
Als besondere Höhepunkte im Vereinsleben der letzten Jahre gelten die Fahrten nach Lübben im Spreewald, in das Altmühltal, das Sängerfest mit Gegenbesuch des Chores aus dem Spreewald.
Am 03.11.2001 feierte der Verein sein 110-jähriges Bestehen im Dorfgemeinschaftshaus Burguffeln. Viele Gäste aus Burguffeln und Umgebung nahmen die Gelegenheit wahr, die drei alten Heimatfilme des Vereins aus den 50-er Jahren, die mit neuer Technik aufbereitet worden waren, anzusehen. Weiterhin konnte man mit unterhaltsamen Bildern unter der Moderation der ersten Vorsitzenden, Frau Gertrud Groll, die Vereinsgeschichte Revue passieren lassen. Herrn Heinrich Helwig wurde vom Präsidium des Sängerbundes Warmetal die außergewöhnliche Ehrung für 70 Jahre Vereinszugehörigkeit ausgesprochen. 
Im Jahr 2003 stellten sich die Vereinsmitglieder einer besonderen Herausforderung. Die Idee, das alte Brauchtum des Erntedankfestes wieder aufleben zu lassen, wurde unter besonderem Engagement und mit vielen kreativen Ideen von Gertrud Groll geplant, vorbereitet und sodann umgesetzt. So wurde auf traditionelle Art eine Erntekrone gewickelt, mit deren Einzug in die Kirche der Erntedankgottesdienst am 28.09.2003 begann. Der Gottesdienst und das übrige Tagesprogramm wurden durch Liedvorträge des Gesangvereins 1891 Burguffeln und des Gastchores aus Ehrsten umrahmt. Die Räume und das Gelände der ehemaligen Domäne, welche von den Grebensteiner Wohnstätten zur Verfügung gestellt wurden, bildeten eine wunderschöne Kulisse für diesen Tag. Viele fleißige Hände hatten ausgefallene, zur Jahreszeit passende Köstlichkeiten vorbereitet oder Dekorations, Bastel- und Handarbeitsartikel angefertigt, die unter großer Nachfrage verkauft wurden. Um die Kirche herum präsentierte sich ein Oldtimer-Trecker-Park, ein Stand mit Naturprodukten aus Burguffeln, die Möglichkeit unter Anleitung Specksteine künstlerisch zu bearbeiten, ein kleiner Streichelzoo, ein alter Leiterwagen als Staudenmarkt sowie ein Flohmarkt von und für Kinder. Weitere Programmpunkte bildeten die Aufführung von Sketchen, ein Bericht mit Bilddokumentationen über den Einzug der Technik bei der Erntearbeit und das Feiern des Erntedankfestes auf der Domäne sowie Vorführungen am Spinnrad und des Strümpfestrickens. Trotz regnerischen Wetters herrschte großer Besucherandrang und ließ den Tag zu einem gelungenen Fest werden.

 

 

Bei dem Liederabend des Warmetalsängerbundes am 12. März 2005 standen  zahlreiche besondere Ehrungen im Mittelpunkt. So wurden Kurt Dietrich, Franz Holzer, Heinrich Matthieu, Gustav Reinhard, Karl-Heinz Römer, Fritz Paulheim Wilfried Schindehütte, Gerhard Schwarz (Burguffeln) und Heinrich Schwarz für 50-jährige Vereinszugehörigkeit und Kurt Ebert, Peter Hartwig, Peter Koch, Gerhard Schwarz (Calden), Karl-Heinrich Schwarz und Gerd Stein für 40 Jahre Mitgliedschaft im Verein geehrt.
In den beiden darauffolgenden Jahren wurden Robert Stein, Helmut Matthieu und Friedhelm Bangert für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt.
Ein herausragendes Ereignis in der Vereinsgeschichte bahnte sich beim 60. Geburtstag des ehemaligen Chorleiters Franz Hampel an. Der Gesangverein brachte dem Jubilar ein Ständchen. Zu den Geburtstagsgästen zählte sein einflussreicher Geschäftspartner Kun Sak aus Thailand. Kun Sak war von dem Gesangsvortrag so begeistert, dass er die Burguffelner zu einem Konzert nach Bangkok einlud. Nach einjähriger intensiver Vorbereitung und mit Unterstützung einiger Sänger aus den umliegenden Orten trat der Chor im September 2007 eine 7-tägige Reise nach Bangkok an. Nach einem freundlichen Empfang durch persönliche Mitarbeitern des Gastgebers fand die Unterbringung in einem Fünf-Sterne-Hotel statt. Den Höhepunkt des Besuchs bildete ein 45-minütiger Auftritt bei der Festveranstaltung mit dem Titel „Nacht der thailändischen Elite“. Die Sänger begeisterten ca. 400 hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft durch hohe gesangliche Qualität und einen dem Anlass entsprechenden feierlichen Auftritt.
Weiterhin hatten Herr Hampel, dessen in Bangkok lebender Sohn und der großzügige Gastgeber Kun Sak mehrere Einladungen in unterschiedliche, thailändische Restaurants und ein perfekt organisiertes Besichtigungsprogramm für die Burguffelner vorbereitet. So konnte unter Leitung eines deutschsprachiges Fremdenführers die Tempelanlage Wat Pho, der Smaragdbudda, der königliche Palast, die schwimmenden Märkte, eine Elefantenshow und eine Krokodilfarm besucht werden. Mit vielfältigen, unvergesslichen Eindrücken des Landes, der Kultur und der thailändischen Mentalität, die sich in Gastfreundschaft, Flexibilität und besonderer Aufmerksamkeit den Gästen gegenüber äußerte, kehrten die Sänger nach Burguffeln zurück.
Nur durch die großzügige Unterstützung der Gastgeber und Familie Hampel,  die bereitwillige zusätzliche Arbeit des Chorleiters Michail Medwedew und insbesondere das enorme Engagement und den persönlichen Einsatz der 1. Vorsitzenden Gertrud Groll vor, während und nach der Reise, war dieses herausragende Erlebnis für den Gesangverein möglich geworden.
Bei der Jahresabschlussfeier im Dezember 2007 ließen sich alle Mitreisenden, wie auch die Sänger, die zu Hause geblieben waren, mit einem eindrucksvollen Lichtbildervortrag, den Axel Leck vorbereitet hatte, nochmal von den Erinnerungen und dem Erfolg der Reise einfangen. Der Abend fand unter dem Motto „Burguffeln trifft Thailand“ statt. Bei thailändischer Suppe, einem thailändischen Getränk und thailändischer Dekoration gingen die Gedanken in Dankbarkeit zurück an die vielen Erlebnisse und besonders an die Menschen, die man dort kennen lernen durfte.
Die Aktivitäten des Vereins, der sich weiterhin als Ziel gesetzt hat, das Kulturgut Musik zu erhalten und zu vermitteln, bestehen in der Mitgestaltung von Gottesdiensten, Ausrichtung eigener Konzerte und der Mitwirkung bei Sängerfesten und Liederabenden. Mit der Umrahmung der dörflichen Festveranstaltungen ist der Gesangverein ein unverzichtbarer Bestandteil der örtlichen Kultur und zeigt die Verbundenheit zur Bevölkerung.
Nur durch eine langjährige und kontinuierliche, von Freundschaft getragene Vereinsarbeit ist das Bestehen des Vereins über einen Zeitraum von mehr als 115 Jahren möglich.

 

 

Zum Fortbestand des Vereins über einen so langen Zeitraum trugen maßgeblich bei:
Kurt Dietrich: 33 Jahre Kassierer
Heinrich Matthieu: 30 Jahre 2. Vorsitzender
Leo Paulheim: 30 Jahre Schriftführer
Heinrich Schwarz:        1. Vorsitzender 1955 – 1988
Gerhard Krüger:          1. Vorsitzender 1988 – 1991
Stefanie Hampel:          1. Vorsitzende 1991 – 1994
Ursula Rohrbach:         1. Vorsitzende 1994 – 2000
Gertrud Groll:   1. Vorsitzende seit 2000
Franz Hampel: Dirigent 1981 - 1997
Michail Medwedew:    Dirigent seit 1997

Home