Beiträge zur Geschichte des Dorfes Burguffeln


Das Dorf Uffeln gehört zu den alten Orten in der Essetalung . Dafür spricht der Name in der ältesten Form als Ufelohun überliefert . Loh hat in der Frühzeit die gleiche Bedeutung wie Wald gehabt . Wir können uns das Landschaftsbild , aus dem heraus der Name erwachsen ist , nur unvollkommen vorstellen , denn heute ist die Dorfgemarkung so gut wie waldlos . Die Geschichtsforscher nehmen an , daß die Entstehungszeit unseres Dorfes in die Zeit vor dem Jahre 500 n. Chr. fällt . Urkundlich kann Burguffeln über einen Zeitraum von rund 1100 Jahren zurückverfolgt werden . Es wird unter einem Nachfolger Karls des Großen in einer Besitzaufstellung des Klosters Fulda genannt . Diese Aufzeichnung entstammt den Jahren 850 bis 870 . Damit ist nicht gesagt , daß gerade damals das Kloster Fulda seinen Besitz in „ Ufelohun „ erwirbt . Viel Wahrscheinlicher ist die Annahme , das Kloster habe ihn in der Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen erworben . Damals hat Abt Sturm des Klosters Fulda von der Eresburg aus das Diemelland christianisiert . Eindeutig steht fest , daß sich die urkundliche Erwähnung aus den Jahren 850 bis 870 auf das heutige Burguffeln und nicht auf Westuffeln bezieht . Die zweite Erwähnung unseres Dorfes geschieht in einer Kaiserurkunde im Jahre 965 . Damals schenkt Otto I dem Moritzkloster in Magdeburg seine Lieblingsstätte , die curtis (Königshof) Rösebeck bei Warburg mit allem Zubehör . Unter dem Zubehör (pertinenita) wird Ufloun genannt . Zu Anfang des 12. Jahrhunderts erscheint der Ortsname in der Form „ Ufluflon „ in einem Bezitzsregister des Klosters Helmarshausen . Darin steht verzeichnet , daß der Edle Friederich von Dassel dem Kloster eine Hufe mit Hofraum und Zubehör , zwei Brüder Folcmar und Wal , 22 Acker Land und den Kirchlaß und die edle Frau Helmburg , Gemahlin des Grafen Debi von Ziegenberg , eine Hufe mit Hofraum und Zubehör geschenkt haben . Das Geschlecht der Herren von Uffeln wird zuerst im JAHRE 1234 genannt . Die Knappen Dietrich und Heinrich von Uffeln erhalten im Jahre 1296 eine Hufe zu Lehen . Eine Hufe umfaßt in unserer Gegend immer rund 30 Morgen Land . Dazu kommen Wiese und Weide in einem entsprechenden Verhältnis . Im 14. Jahrhundert taucht der Name des Rittergeschlechts öfter in nordhessischen Urkunden auf . 1308 empfangen Ludwig von Uffeln und sein Sohn Johannes Lehen . Am 12 November 1356 kauft Hermann von Uffeln ein Viertel des Zehnten von Zwergen von den Brüdern Johann und Werner von Martageshufen für 60 Mark (1 Mark=233g reines Silber ) schwerer Pfennige Hofgeismarer Währung , ein Vierteljahr später von den Angehörigen des Ritterdeschlechts von Baltenberg ihre „Stätte und Haus“ in der Freiheit zu Immenhausen bis an den Kirchhof . In den nächsten 10 Jahren erwirbt Hermann umfangreichen Landbesitz Helpoldessen und Oberhaldessen (heute wüstungen in der Gemarkung Grebenstein ) , ein Viertel des Zehnten von Oberhaldessen und den Zehnten vun Uffeln . Am 25 Januar 1442 belehnte Ritter Hermann Riedesel , Erbmarschal von Hessen , Heinrich von Uffeln mit dem Kirchsatz und 3 Hufen Land zu Ostuffeln . Die Hufen bildeten das sogenannte Alrase-Gut . Das Kirchlehen von Burguffeln ging von den Herzögen von Berg zu Lehen und jedenfalls ein Zubehör der Grafschaft Ravensberg . 1421 gab Ritter Dietrich von Haldessen seine bergischen Lehen zugunsten des landgräflichen Kanzlers Erhard von Röhrenfurth ab . Erhard war der Schwiegersohn des letzten Grafen von Schöneberg . Da seine Frau Jutta das einzige Kind war , fiel der Besitz der Schöneberger an die Familie des Kanzlers und nachher an dessen Schwiegersohn , den Ritter Hermann von Riedesel . Mit denselben Lehnstücken wurde 1490 Hermann von Uffelns Sohn Arnold vom Hofmeister Hans von Dörnberg belehnt . Im übrigen verdankt das Geschlecht derer von Uffeln in erster Linie dem Landgrafen von Hessen seine Güter . Die Besitzrechte , die sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts kaum geändert haben , sind in dem ältesten erhaltenen Lehnbrief vom 29 Oktober 1450 genau festgelgt worden .

 

Damals gibt Landgraf Ludwig Henrich von Uffeln [ Im folgenden übersetze man "Item" mit "weiterhin", dann wird's verständlich. Anmerkung Diane] " unßren lieben gtruwen zu rechtem burglehn und manlehn nemlich die Kemnaden zu Ostufeln mit alle fr. zubehorungen Item eyn fiertel des zehnden zu ubernhaldesen Item drie hube landes dasselbs zu ufeln Item zu Burglehn zu Imenhusen nemlich eyne Hufunge und eyne hobestrait gelegen bei Hans von Stoghusen das Ratzenbergs war und eyne freye schafftrifft als die Henrich von Ufeln seligen aldern von unsen aldern seligen und uns zu lehen gehabt und herbracht han dar zu han wir ........Henrichs Son zu rechte manlehen geliehen diese nachgeschreben gued die Henrich....... ißt auch uffgelassen und widerumb zu rechtem manlehen empfangen hait nemlich drie hube landes zu Helpoldesen und eine halbe hube landes auch daselbs zu Helpoldesen Item ein fiertel der wustenunge zu Reinersen Item die große wesen pober den Erlen zu Ufeln Item eine wesen die hatt bie eyme acker benedden den Erlen gelegen Item die wesen gen der Burgmolen die man heißet die marsch Item eyne halbe hube landes zu Ufeln die ime von wernher von Ufeln seligen ist ufferstorben Item eyne halbe hube Landes gelegen an dem Brungelsberge Item drie habe gelegen vor der Statt zu Imehusen genannt die Bamuffen habe Item anderhalb hube landes auch gelegen zu Ufeln davon Her Henrich von Ufeln Canonidt zu sint mariens Kirchen zu Cassel sine lipzucht hait und sine lebetage haben sal, und der wegen Hinrich von Ufeln und sine libeß lehnserben soln sollch abgen (annten) Kemnaden und guter alle wie dann hiebevor geschreben stet mit allen zubehorunge von mir und unsren erben zu rechtem burglehne und manlehn haben verdienen und entphaen als Burglehns und manlehens recht und gewohnheit ist uns bestes thun und unsren schade man als man ire Hern schuldig und pflichtig zu thuende wann woe und wi digte der wir sin uns sich geboren (gebühten) wirde...... wir han auch sunderlich angesehne getruwe und an gemein dinst den darzen Henrich uns getan hait und von sollch abgen so fiel landes gefreiheit als sie mit iren eygen pherden und plugen gewannd ... dinstes geschosses und bett (Bede-Steuer) fri sin sol dann sie das mit der glene uns verstehn und verdienen soln..." (Beim Heimfall der Lehngüter hatte der neue Lehnsträger den ehelichen Töchtern 500 " gute Rynsche gulden" als Abfindung zu zahlen.)


Die Geschichte derer von Uffeln kann hier nicht geschildert werden (die Archivakten über die von Uffeln im Marburger Saatsarchiv umfassen neben rund 75 Urkunden und Lehnsbriefen allein 14 Pakete mit Akten) Viele Angehörige des Geschlechts stehen in landgräflichen Diesten , vor allen Dingen als Soldaten . 1428 ist Werner von Uffeln „nun gnaedigen Hern Scholß amptmann und rauhe zu Grebenstein“ ( Schultheiß , Amtmann und Graf ) . Sein Sohn Heinrich wird nach obenstehenden Lehnbrief 1450 wegen besonderer Verdienste vom Landgrafen belohnt . Im 16 und 17 Jahrhundert stellt das Geschlecht nicht nur der Hessenfürsten , sondern auch anderen deutschen Landsherren und fremden Staaten tapfere Offiziere . Der Oberst Heinrich von Uffeln stirbt 1633 als Stadtkommandant von Kassel . Rab Arnt von Uffeln geboren am 4.11.1579 in Burguffeln , erliegt am 16 März 1621 der schweren Verwundung , die er als Oberstleutnant über die Hessische Kavallerie in dem Gefecht bei Kirchhain erlitten hat . Auf dem Epitaph heißt es „gefallen bei der Verteidigung des Vaterlandes „ . Damals haben bei Amöneburg irgendwelche Kämpfe stattgefunden . Vor Kirchhain erwicht besonderen Kriegsruhm der hessische Obristwachtmeister Johann Friedrich von Uffeln aus der Immenhäuser Linie . Er verteidigt am 17.8 .1645 die Stadt mit 120 Mann gegen 16 Kompanien Reiter und 1500 Mann zu Fuß hessendarmstädtischer Truppen . Zwei Jahre später , am 22.8.1647 , fällt er bei einem Ausfall der Feinde vor dem belagerten Paderborn . In der Kirche seines Heimatortes wird sein Leichnam beigesetzt und eine Trauerfahne – die älteste heute noch vorhandene hessische Fahne - aufgehängt . Sie trägt die Inschrift : Meine Begierde Ist ewig Zuleben Und vor das Vaterland zustreben .

Der K.K. Feldmarschall Georg Ludwig von Uffeln wird 1727 in den Reichsfreiherrenstand erhoben . Ende des 17 Jahrhunderts erwerben die Herrn von Uffeln Besitzungen im Thüringisch Sächsischen und scheiden 1729 aus der Hessischen Ritterschaft aus . Um die Mitte des 18 Jahrhunderts treten sie den Burguffler Besitz an den Erbprinzen Friedrich ab , den späteren Landgrafen Friedrich II und leben auf ihren Gütern in Sachsen . Mit Hermann Karl von Uffeln Kursächichen Hof- und Justizrat , Domprobst zu Meißen und Naumburg , stirbt das Geschlecht 1843 aus . Das Wappen zeigt in Gold den rot bekleideten Rumpf eines Mohren , der um den Kopf eine silberne Binde mit links zum Felde schlagenden Bändern trägt . Das Kleid ist mit sechs goldnen Knöpfen zugeknöpft ( Die Helmzier am Wappen der Herrn von Uffeln ähnelt der Helmzier am Wappen der von Schattenberg von der Malsburg) . Ein alter Spruch deutet uns das Wappen : Ein Mann im feldt , zeigt an ein Held welcher redlich bestehet . Zwen Arm behend , Streiter ohn end , Uffeln biß Lob angehet .

Die Kirche des Ortes , in vorreformatorischer Zeit St. Margareta geweiht , stand seit jeher inmitten der Kemmade (Burg) . 1360 und 1494 wurden Pfarrer zu Burguffeln genannt . nach der Reformation vereinigte die Kirchenregierung die Pfarrstelle mit der von Calden . Das blieb bis zum Jahre 1781 so , als der Caldener Pfarrer Giesler als erster Pfarrer nach Grebenstein versetzt wurde und das Vikariat Burguffeln beibehielt . Die Junker hielten nach der Reformation das Kirchengebäude für ihr Eigentum , sicher miteinem gewissen Recht , und sperrten aus Anlaß eines Streites den Zugang zum Gotteshaus . Deshalb verordnete Landgraf Wilhelm von Hessen unter dem 21.12.1568 , daß es nicht Eigenkirche der Herrn von Uffeln sei und „nicht mehr unter euer güter geachtet“ . Auch mußte hinfort der Gang zur Kirche nicht allein der Gemeinde , sondern auch dem landgräflichen Beamten (Amtmann) zu Grebenstein jederzeit geöffnet sein . Auch solle der Beamte das Recht haben , so oft es nötig sei , die Glocken läuten zu lassen . Nachdem die Herrn von Uffeln alle Kirchgüter in ihrem Gebrauch und Nutzen hatten , mußten sie auch den Pfarrer unterhalten . Das führte oft zu Mißhelligkeiten , denn 1611 beschwerte sich der Pfarrer Caspar Emde von Calden :“Die von Uffeln haben sich der Pfarrgüter ganz angemaßet und geben einen Pfarrer was sie wollen behalten auch die Rechnung ganz für sich .“ Das schöne Kirchlein verdankt seine heutige Form dem Erbprinzen Friedrich , der es so geschickt umbauen ließ , daß die wesentlichen Formen des mittelalterlichen gotischen Gotteshauses erhalten blieben . Von der eigentlichen Dorfgeschichte in der mittelalterlichen Zeit wissen wir wenig , auch nicht von den Einwohnern des Dorfes . Die Bewohner haben genau wie die der Nachbarorte in den Jahrzentelangen Fehden zwischen dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen vor und nach dem Jahre 1400 unsagbar leiden müssen . Oft genug wird von Freund und Feind die Feldflur verwüstet , die Ernte vernichtet und werden die Behausungen angezündet worden sein . Da verlassen die Uffler ihren Ort und suchen Schutz hinter den Mauern der nahen Stadt Grebenstein . Im Jahre 1455 heißt es im Grebensteiner Salbuch , dem landgräflichen Besitzverzeichnis :“Volgt Uffeln und ist ein Wusteignung gelegen hinter der Borg“ . Damals gehörten 62.5 dienstbare Hufen zur Gemarkung , jede zu 30 Morgen gerechnet , Wiesen und Weiden sind darin nicht eingerechnet . Die Lehnsmänner wohnen zu dieser Zeit wohl vollzählig in Grebenstein , wo sie auch die Herrendienste verrichten müssen . Bei der Aufzählung der Lasten , die ihnen aufgebürdet waren , wird festgelegt :“Intern Holztüren so dicke des des not wird zu den Eseln , die zu zeiten auf der Borg feindt , der ein und zwene und vormals dren , fünf oder sechs gewesen feindt“. Die Länderreien der Landgräflichen Meierei müssen sie bestellen . Die Besitzer von vier Hufen haben jährlich je ein fuder Korn , Hafer und Heu , und für jede Hufe außerdem ein fuder Mist zu fahren . Sie müssen auch von jeder Hufe als Maibede 16 Pfennige und 1 Licht , als Herbstbede 20,5 Pfennige Grebensteiner Währung entrichten , die gesamte Bauerschaft am Maibede 8 Mark , am Herbstbede 10 Mark . Eine Mark wird im Gewicht von 233g Silber entsprechen . Diese Abgabe ist in gleicher Höhe sowohl 1428 wie 1500 gezahlt worden . 1478belehnt Junker Hans von Dörnberg Johannes Regenhart mit drei Hufen Landes zu Ostuffeln und 1496 nach dessen Tode Johanne Eckmann , Bürger zu Grebenstein mit demselben Landbesitz . Eckmann wird auch mit 3/16 des Dörnbergischen Zehnten in „Ostuffeln“ belehnt . Die Familie Regenhat , die vielleicht ihre Heimat im alten Dorf Uffeln hatte , ist schon 1455 in mehreren Zweigen in Grebenstein ansässig . Ob die Herren von Uffeln während der Zeit des Wüstliegends des Dorfes auf ihrem wahrscheinlich seit jeher befestigen Hofe gesessen haben oder ob sie in Immenhausen wohnten , wo sie als Landgräfliche Burgmänner einen freien Burgsitz besaßen , läßt sich nicht nachweisen . Im Salbuch von 1554 heißt es unter „Dorf burg Uofeln“ „hat Arndt von Uoffelen die Kemenade und Burgseß daselbst“ . Hier ist also zum ersten Male von einer Kemenade oder Burg die Rede , unter der wir uns einen befestigten Gutshof vorstellen müssen , wie ihn z.B. heute noch Wülmersen darstellt . Das Dorf selbst ist in der Reformationszeit neu besidelt worden , wahrscheinlich auf Veranlassung des gleichnamigen Vaters des Arndt von Uffeln , und zwar um das Jahr 1529 . Das geht aus einem Aktenstück hervor , nach dem im Jahre 1556 übergriffe der Junker durch den landgräflichen Beamten untersucht werden . Sie haben widerrechtlich von den Einwohnern „den Gulden“ von den Häusern (von den Fenstern) erhoben . Die Uffler Bauern Rostenhanns , Jorge Megels , Justus Peters , Joist Mattenberg und Kurt Bark sagen aus , das sei „uflonen“ unter dem alten Arnt von Uffeln als nicht mehr als sieben oder acht Mann hier gewohnt haben . Rostenhanns gibt an , er habe in Uffeln 20 Häuser aufrichten helfen . 1556 gibt es im ganzen 22 Häuser . Weitere Vorwürfe gehen darauf aus , daß die Herrn von Uffeln von den Einwohnern Dienste fordern , die ihnen nicht zustünden . Als dem alten Arnt die Pferde gestorben seien , hätten die Bauern aus gutem Willen geholfen , und nun wollen die Junker daraus ein Recht ableiten . Sie erheben im Namen des Landgrafen Schatzung und Fürstensteuer , die die anderen vier Bauerschaften in Grebenstein und Immenhausen nicht im selben Maße zahlten . Als Einwohner Burguffelns werden außer den Genannten aufgezählt:Loniken , Kersting , Hundemann , Michel Endemann , Anabersen , Hans Bornemann , Josef Holzapel , Christofel Trude , Acker Hans , Kersting auf dm Berge , Heinrich Hundemann , Hannes Lendicken , Molen Hans , Heinrich Blattcken , Andreas Berson , Jakob Bornemann . Den Anklagen gegenüber sagen die Junker , das Dorf Burguffeln gehöre ihnen . Der Streit wird erst beendet , als der Landgraf Philipp am 11.7.1559 mit ihnen einen Vertrag abschließt . Neue Ehrungen über die Gerichtshoheit und die Amtsdienste werden 1768 durch Landgraf Wilhelm beigelegt . Er verordnet , daß es bei dem Vertrag von 1559 bleibe , in dem genaue Bestimmungen über Gerichtshoheit , Steuern , Heerfolge und Dienste getroffen seien , worin auch „aus besonderen Gnaden“ der Junkern rechte am Untergericht eingeräumt werden . Die Herrn von Uffeln haben zu dieser Zeit einen Umfangreichen Landbesitz im Dorf und der Umgebung . 1559 sind Inhaber des Gesamtbesitzes fünf Brüder des Geschlechts „Arnt , Heinrich , Hermann und Sylwester“ , Söhne des verstorbenen Arnt von Uffeln . Das Familienoderhaupt , der jüngere Arnt , besitzt 1534 „die Kemenade und Burgseß daselbst , und fünf Houben landts , inn und vor Uoffeln gelegen , Inhalt des Lehenbriefs , sampt einer halben Huoben zu Bürgelsberg , in den Burgseß zu Immenhausen samt brennen Huoben daselbst , in den vierderhalbe Huoben zu Helpoldesse ¼ der Wüstung Reinerschen , in den ein ½ Huoben am Brügelsberge , in dem 4 Teil der zehnten zu Oberhalsen und dem Huoben Lands daselbst in dem die großen Wiesen gegen dem ober der Erlen . Jetten die Wiesen gegen den Burgmelen genannt die Marsch und wird im Lehenbrief vermeldet

Die Hufen die von den Herrn von Uffeln“mit ihren eigen Pflügen“ bewitschaftet werden , waren von allen Diensten und anderen Beschwerung befreit , die von ihnen an Männer verlehnt worden waren , blieben dem Landgrafen dienstpflichtig (1554 im ganzen 62,5 Diensthufen) . Die Hufenbesitzer hatten dem Landgrafen für jede Hufe je einen halbe Acker auszustellen , zu bearbeiten und zu ernten . Von jedem Haus , in dem ein Rauch aufstieg , also von jedem bewohnten Haus , war dem Landesherrn zu Fastnacht ein Rauchhuhn zu entrichten . „Doch aber die Frauen im Kindbette , so schickt man den Herrn das Haupt und behält die Frauen das huen .“ Im Jahre 1571 entrichten 21 Bauern den Hauszins .Die Gerichtsbarkeit in dem Dorf stand dem Landgrafen und den Herrn von Uffeln zu . Das „Untergericht“ tritt so oft zusammen , wie es nötig ist . Es beschäftigt sich auch nur mit Angelegenheiten „inwendig der Dorfs Zäunen“ . Der Grebensteiner Schultheiß setzt das Gericht an . Er hält auch den Gerichtsstab . Die Junker bestellen zwei Schöffen , tragen auch zwei Teile der Prozesskosten , der Landgraf dagegn drei . Von den Bußen , die vom Untergericht für die Frevel verhängt werden , die im Dorfe geschehen sind , erhält der Landesherr drei Teile , das Adelsgeschlecht zwei Teile . Dagegen müssen alle Frevel , die innerhalb der Feldmark vorkommen , von dem „Goding“ abgeurteilt werden . Das Kirchengut zu Burguffeln und der Schachter „Meyerhoff“ daselbst sind verpflichtet , einen Heerwagen mit Knecht und Pferden zu stellen , wenn im Kriegsfalle die Herrn von Uffeln mitreiten müssen , um sich ihre Lehengüter zu verdienen .

Um 1790 hat Burguffeln 311 Einwohner : 54 Männer 60 Weiber , 80 Söhne , 81 Töchter ,22 Knechte , 14 Mägde . Neben dem herrschaftlichen Kabinettsgut werden 41 Bauernhäuser , 2 außerhalb des Ortes gelegende Mühlen , eine im Dorf gelegene Mühle und 4 Privathäuser gezählt , die unmittelbar dem Gut unterstehen . 11 Familien nähren sich allein vom Ackerbau , 37 Köter und 13 Besitzer müssen sich den Lebensunterhalt durch den Webstuhel , das Spinnrad und den Tagelohn verdienen . Als Handwerker werden gennant : 8 Leinweber , 2 Zimmerleute , 1 Schneider , 2 Schmiede , 3 Müller , 1 Maurer , 1 Wirt , 1 Branntweinbrenner . Damals beträgt die gesammte Ackerzahl das ausstellbaren Landes 1993 hessische Acker , wovon 880 auf das landgräfliche Gut entfallen . An Vieh werden gehalten : 72 Pferde , 34 Fohlen , 7 Ochsen , 87 Kühe ,23 Rinder , 550 Schafe und 205 Schweine . Die Feldflur hat einen guten Boden . Die Bauern sind tüchtig . Es heißt 1790 : Da dem Boden „gute Bestellung und Wartung zu Hilfe kommen , so kann der fleißige Landmann in gewöhnlichen Fällen auf gesegnete Ernten Rechnung machen . Mit Entzücken sieht man hier die Saat zur Höhe gedeien , die schönsten Weizen- , Roggen- und Gerstenbreiten , wo ein Halm den anderen drängt . Sowohl der geerntete Weizen als Roggen ist von einer vorzüglichen Güte , dünnhäutig und mehlreich . Daher wird hier wenig gezogen , daß verschiedene denjenigen , den sie als Zins liefern , anderswärtig kaufen müssen . Die Brachäcker werden außer denen sonst gewöhnlichen Tresemeier mit Hülsenfrüchten besäet . Der Flachs ist von einer guten Beschaffenheit . Der Mangel an Wiesengründen hat diese Landleute in die Notwendigkeit gesetzt sich mit dem Bau der Futterkräuter abzugeben .“Die Gemeinde hat seit jeher kaum Besitz gehabt , vor allem Dingen auch keinen Wald . 1852 werden im Steuerkataster neben dem Schulhaus das Hirtenhaus , der Hirtengarten , die alte und neue Baumschule , der Ochsenplatz und das „Gemeine Bruch „ bei der Dorfmühle aufgeführt . Die Gemeinde darf keine Schafe halten . Auf den Hufen , Trieschen und Koppelweiden (Weide die mit den Nachbargemeinden an den Gemarkungsgrenzen genutzt werden) , im ganzen rund 230 Acker , werden neben den Gemeindevieh 800 Schafe des Domänenwächters gehalten . Die Nutzung dieser Gemeindegüter steht nur den 42 Nutzungsberechtigten zu . Im März 1863 zählt man im Dorfe 46 Ortsbürger und 42 sogennante Besitzer . Von den Ortsbürgern haben nur 18 eine volle Ackernahrung (30 und mehr Acker) . Die Besitzer sind meist Tagelöhner . Die Struktur des Dorfes hat sich erst im 20 Jahrhundert allmählich gewandelt , als die Einwohnerzahl auf über 400 stieg . Von da ab wurde der Ort langsam aus einer ganz vom heimischen Boden abhängenden Landgemeinde zu einer Arbeiterwohngemeinde von über 800 Einwohnern . Diese Entwicklung ist vor allen Dingen durch den Zustrom der Heimatvertriebenen nach 1945 erzwungen worden .

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